Die Grobschnitt Story
(1994 - Der Bär, Eroc, Felix, Hunter, Popo Kapolke, Lupo, Mist, Moff Mollo, Quecksilber, Wildschwein)

Grobschnitt war die deutsche Gruppe, die ihre progressive Musik mit viel Spaß, Humor und besonderer Theatralik mit Augenmerk auf eine originelle Inszenierung voller Begeisterung live vortrug.

Dieser Sampler bietet einen Querschnitt durch die Schaffensphase der Gruppe. Neben qualitativ hochwertigen Livemitschnitten gibt es auch einige Neuneinspielungen älterer Lieder. Immer wieder eingestreut sind auch kurze Radiointerviews aus den 70ern, die die Gruppe präsentieren und zeigen, was die Philospophie der Band war.

Die Musik, bei der die Texte meist deutsch, manchmal aber auch englisch sind, ist irgendwo zwischen Metal und Progrock angesiedelt. Es gibt auch erzählerische Passagen, die natürlich vor allem live ihre Wirkung hatten, hier auf der CD aber auch gut wirken - wie z.B. bei dem märchenhaften "Der Zauberer".

Es gibt auch einige (gekürzte) Liveansagen zu hören, die dem heutigen Hörer ansatzweise vermitteln, welche Stimmung Grobschnitt in ihren Konzerten präsentierten. Es fehlt selbst eine mißlungene Version von "Vater Schmidt in Wuppertal" nicht, bei der es mitten im Song eine technische Panne gab - der Mitschnitt zeigt, wie die Band damit locker, humorvoll umging. Danach folgt auch noch die - diesmal ohne Panne - gespielte Variante.

Man merkt schnell, daß die Gruppe nicht ganz so auf dem ernsten Level wie die englischen Zeitgenossen von "Yes" und "Genesis" agieren - wobei aber auch klar wird, daß die Musik immer komplex und gekonnt vorgetragen wird. Der Stil ist mit Heavy Metal Anleihen durchsetzt, durch die meist sehr komplexen Arrangements jedoch ist die Musik durchaus im progressiven Genre anzusiedeln.

Höhepunkt auf der Doppel-CD ist für mich das fast 40-minütige "Solar Music", welches zeigt, daß Grobschnitt auf einem sehr hohen Niveau spielten und den Vergleich mit den britischen Kollegen damals nicht scheuen mußten, wobei Grobschnitt ein wenig erdgebundener wirken, nicht so kosmisch oder lyrisch wie "Yes" und "Genesis" z.B. Auch nahmen sich Grobschnitt halt deutscher Themen an oder bedienten sich deutscher Kulissen für ihre Songs (wie auch "Vater Schmidt in Wuppertal" u.a. zeigt).

Als Resümee läßt sich sagen, daß "Die Grobschnitt Story" ein buntes, teilweise heiteres und musikalisch immer gelungenes Kaleidoskop der Bandvergangenheit bietet - und nebenbei auch noch ein kleines Stück der Konzertstimmung bei Grobschnitt vermittelt.

Wer es in der progressiven Musik lieber nur bierernst hat, der wird Grobschnitt vielleicht manchmal zu flapsig finden. Aber bei all der heiteren Garnierung ist die Musik der Schwerpunkt bei der Band. Es ist zwar dabei nicht immer so bedeutungsvoll ambitioniert wie bei den englischen Gruppen damals, aber Grobschnitt hatten ihre ganz eigene Herangehensweise an das Genre und die wird hier gut eingefangen.

Wer Grobschnitt noch nicht kennt, sollte durchaus mal reinschnuppern, es lohnt sich gewiß. Das progressive Genre wird hier um einige originelle Elemente erweitert.

13 Punkte