The War of the Worlds
(1978)
Der Krieg der
Welten von H.G. Wells ist eine der bekanntesten Science Fiction
Geschichten der Welt. Er hatte mit seinem Roman ein ganzes Genre
der SF gegründet - die Eroberung der Erde durch Außerirdische.
Legendär ist die Umsetzung als Hörspiel von Orson Welles,
der damit Teile der USA in Panik versetzte, weil die Inszenierung
wohl zu realistisch war. Der SF-Film gleichen Titels aus den 60er
Jahren ist auch recht gelungen, wenn er sich auch nur lose an
die literarische Vorlage hält. Daneben gab es in den 90er
Jahren auch eine recht obskure TV-Serie (die teilweise immer noch
Filmschnipsel des Kinofilmes verwendet).
Nachdem das Thema in den verschiedenen Medien großen Erfolg
hatte war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch
die Musik sich des Themas annahm. 1978 machte sich der Brite Jeff
Wayne ans Werk und veröffentliche ein pompöses und reichhaltig
inszeniertes Konzeptalbum mit prominenter Unterstützung.
Als Erzähler fungierte kein geringerer als Richard Burton,
als Musiker waren u.a. Justin Hayward von Moody Blues, Phil Lynott
von Thin Lizzy und Julie Covington beteiligt, die kurz vorher
mit der Interpretation von Andrew Lloyd-Webbers "Evita" einen
großen Hit gelandet hatte. Doch auch die anderen Beteiligten
rekrutierten sich aus der der höheren Liga der Rockmusiker:
Chris Thompson, Chris Spedding und Ray Cooper, während mit
Gary Osborne der zwischenzeitliche Texter von Elton John den Großteil
der Songtexte verfaßte. Jeff Wayne selbst war für die
gesamte Musik und die Inszenierung zuständig.
Um gleich ein Mißverständnis auszuräumen: obwohl
das Album heutzutage in den CD-Abteilungen meist unter "Musical"
eingeordnet wird, ist das Album kein Musical, genausowenig wie
die zeitgenössischen Nachfahren von Jeff Wayne wie "Ayreon"
oder die Projekte von Clive
Nolan & Oliver Wakeman Musicals sind.
Dennoch unterscheidet sich das Album von anderen Progrock oder
Rockalben durch die Art der Umsetzung. Dem Erzähler fällt
eine recht große Rolle zu (die Richard Burton gekonnt ausfüllt),
teilweise gibt es auch kurze Dialoge, ähnliches kennt man
vom letzen Album von Nolan & Wakeman, die eindeutig in Tradition
stehen. Wer also keine erzählten Passagen in der Musik mag
könnte sich abgeschreckt fühlen. Doch man sollte "The
War of The Worlds" selbst dann eine Chance geben.
Das Doppelalbum ist ein Musterbeispiel an Bombast, Melodiösität
und atmosphärischer Umsetzung. Zwar ist das ganze nicht so
progressiv, dafür aber enorm eingängig und durch die
Art der Erzählung sogar spannend, da die gesamte Geschichte
erzählt wird, so daß selbst jemand, der das Buch oder
den Film nicht kennt, voll an der Geschichte teilhaben kann. Musikalisch
haut Jeff Wayne dazu voll in die Tasten. Das Hauptthema von "War
of The Worlds", das sich wie ein roter Faden durch das Doppelalbum
zieht, ist sehr charakteristisch. Jeff Wayne macht Gebrauch von
sehr vielen analogen Keyboards, einem Streicherensemble, und natürlich
E-Gitarren, all das klingt derart melodisch, daß man praktisch
sofort von der Musik mitgenommen wird. So hätte Ayreon wohl
in den 70er Jahren geklungen. Liebhaber bombastischer Konzeptalben
werden auf jeden Fall ihre große Freude haben. Die einzelnen
kleinen Epen sind allesamt sehr eingängig und dramatisch
umgesetzt. Manchmal wird es aber auch sehr atmosphärisch,
wenn u.a. die Einflüsse der marsianischen Vegatation auf
die Erde beschrieben wird (Red Weed), hier und da gibt es auch
Soundeffekte z.B. wenn die Zylinder vom Mars sich langsam öffnen
und natürlich der Kriegsschrei der Marsianer "Ulla!" - in
solchen Passagen klingt das Album sehr spacig.
Gesungen wird erstaunlicherweise recht wenig - vieles wird instrumental
bestritten, und dann gibt es natürlich den Erzähler
in Form von Richard Burton. Die Gesangspassagen sind allesamt
sehr gelungen, nicht zuletzt durch die exzellente Auswahl der
Sänger. Sei es der etwas hysterisch und besessen klingende
Parson Nathaniel (gesungen von Phil Lynott) und im Gegensatz dazu
die sanfte und beruhigende Stimme von Julie Covington oder der
melancholisch wirkende Justin Hayward.
"War of The Worlds" ist gewiß eines der eingängigsten
Konzeptalben. Was vielleicht auch daran liegt, daß keine
esoterischen Phantasien dahinterstecken sondern eine handfeste
- wenngleich auch phantastische - Geschichte.
Wer in den letzten Jahren seine Freude mit den Alben von Ayreon
hatte (oder auch mit Nolan & Wakeman) der wird in Jeff Wayne so
eine Art Urvater des Bombastspace-Konzeptes finden. Das Doppelalbum
begeistert vom ersten bis zum letzten Track und stellt für
mich einen echten Klassiker dar. Allein wer absolut keine gesprochenen
Texte in der Musik mag dem dürfte die recht große Rolle
von Richard Burton nicht gefallen. Alle anderen Liebhaber von
spacigem Bombastrock sollten zugreifen.
Es ist beim Kauf aber etwas Vorsicht geboten: Sony Music bietet
auch eine Einzel-CD Version an, die aber um knapp 20 Minuten gekürzt
ist. Man sollte sich auf jeden Fall das Doppelalbum zulegen. Und
es sei nochmals erwähnt, daß man in der normalen "Rock/Pop"
oder "Heavy Metal" (ich frage mich, warum Progrock dort eingeordnet
wird teilweise. Hier im Saturn findet man Pendragon z.B. unter
Heavy Metal.....) Ecke das Album nicht findet. Unsinnigerweise
findet man es meist bei den "Musicals".
14 Punkte
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