Revolutions
(2001 - Christina, R. Reed , S. Reed, Robinson)

Magenta ist das neue Projekt von Rob Reed, der sich im Progzirkus zuvor schon mit Cyan und The Fyreworks versucht hat. Rob Reed ist ganz offenbar ein glühender Fan von Yes, Genesis und Mike Oldfield, wobei hier und da auch andere Progbands ihre Einflüsse zeigen. Nach eigener Aussage hält Rob Reed die Imitation für die höchste Form der Schmeichelei, das gesagt kann man "Revolutions" als beinahe perfekte Schmeichelei verstehen. Gab es die Einflüsse in der einen oder anderen Form schon bei Rob Reeds Vorgängerprojekten zu hören, so bildet Magenta den bisherigen Höhepunkt.

Man kann von Retroprog und Clonebands halten, was man mag, wenn es gut gemacht ist, kann diese Art der Musik großen Spaß bereiten, vor allem wenn man bedenkt, daß die kopierten Orginalbands in den meisten Fällen schon seit Jahrzehnten nichts vergleichbares mehr hervorgebracht haben. Und somit ist "Revolutions" das ideale Heilmittel für alle Prognostalgiker, die auf ein neues Album von Yes oder Genesis warten.

"Revolutions" bietet vier Epen um die 20 Minuten, dazu gibt es zwei kurze instrumentale Intermezzi und ein knapp achtminütiges Lied zum Ende der CD. Wer jetzt an "Tales From Topographic Oceans" denkt, denkt allerdings falsch, auch wenn "Revolutions" ebenfalls ein Konzeptalbum ist und ungeniert Yes (und in etwas geringerem Maße auch Genesis und anderen) huldigt. Der Steve Howe Gedächtnispreis geht ebenfalls eindeutig an Magenta in Form von Gastgitarist Martin Shellard, doch schwelgen Magenta im Schönklang, Kanten und Ecken wird man vergeblich suchen, aber Kanten und Ecken wollen Magenta auch gar nicht bieten. Unterstützt wird der Schönklang dann auch noch vor allem von Sängerin Christina, die einer Annie Haslam von Renaissance in nichts nachsteht. Sie bietet glockenreinen, wunderschönen Sopran wie man ihn seit seligen Renaissance-Zeiten kaum gehört hat, Christina ist eine echte Bereicherung im an Frauenstimmen recht armen Proggenre.

Die Musik tut ihr übriges, schöne Melodien werden von gekonnt eingesetzten Progzitaten garniert, die immer wieder für das wohlige Wiedererkennensgefühl sorgen. Ein perfektes Beispiel ist hier "Genetesis", das witzigerweise keine Hommage an Genesis sondern eine unverhohlene Huldigung an Yes darstellt. Ein wenig Keyboard à la "Tales From Topographic Oceans", etwas Gitarre à la "Your Move", dazu ein instrumentales Intermezzo auf der Harfe das ungeniert "Awaken" zitiert (inklusive, wenn auch synthetischer, Kirchenorgel), fertig ist die perfekte Hommage an Yes. Das ganze klingt so gut und dabei auch schön, daß man Rob Reed einfach nicht böse sein kann und selbst Clonebandverachter müssen Magenta Respekt zollen.

Wer sich also auf den nostalgischen Retrotrip einlassen möchte, bekommt ein exzellentes Doppelalbum geboten, das zu keiner Zeit langweilt oder bemüht wirkt. Die diversen Zitate wirken wie ein integraler Bestandteil der Musik. "Revolutions" ist damit eine wunderschöne Synthese aus Yes, Genesis und Renaissance, das sich zu keiner Zeit schämt zu zitieren, doch bei allen Zitaten auch genug eigenständige Melodien mitbringt, so daß das Resultat auf ganzer Linie überzeugen kann. Das Album ist allen Nostalgikern und Retroprogfans unbedingt zu empfehlen.

12 Punkte