God Has Failed
(2000 - Lang, Postl, Rissetto, Wallner)

RPWL waren einst eine deutsche Pink Floyd Coverband. Mit "God has Failed" präsentieren sie nun ihr Debutalbum, das wirklich hervorragend gelungen ist.

Clonebands (also solche, die mehr oder minder ihre Lieblingsband kopieren) sind manchmal mit Vorsicht zu genießen. RPWL hingegen bringen in ihre Musik so viel Charme, Ideen und wunderbare Melodien ein, daß sie für mich zu den deutschen Newcomern des Jahres 2000 gehören.

RPWL nehmen sich des Stils von Pink Floyd an, wobei sie sich vor allem von der Phase ab "Dark Side Of The Moon" bis "The Wall", aber auch von den beiden Alben ohne Roger Waters inspirieren lassen - generell orientiert sich die Band mehr an David Gilmours melodischen Stil als an die Musik der späten 70er Jahre Pink Floyd bei der Roger Waters Alleinherrschaft spielte.

Man erkennt hier und da immer ein paar Schnipsel und Ideen von besagter Pink Floyd-Periode - das beginnt schon mit dem großartig epischen Opener "Hole In The Sky", bei dem Ausschnitte aus diversen Filmdialogen und/oder extra gemachten Sprachaufnahmen Erinnerungen an "Dark Side Of The Moon" wach werden lassen - und um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, gibt es dazu noch im Lied die Textzeile: "I set my controls for the heart of the sun"...

Das wundervolle Akustikgitarrenintro zu "What I Need" läßt die Tage von "The Wall" und "Is There Anybody Out There" wieder lebendig werden, während "In Your Dreams" mehr an David Gilmours Pink Floyd à la "Division Bell" angelehnt ist (inklusive der E-Gitarre, die ein wenig wie ein Schwein grunzt...)

All diese feinen Anspielungen geschehen aber so professionell und handwerklich perfekt, daß es absolut als integraler Bestandteil der Musik wirkt - und nicht als angestrengt bemühte Kopie alter Pink Floyd Klassiker.

Sänger Jürgen "Yogi" Lang singt dabei prächtig wie einst David Gilmour, die Gitarre von Karlheinz Wallner klingt auch sehr nach Floyd und die Rhythmusektion mit Phil Paul Rissetto am Schlagzeug und Chris Postl am Baß erinnert an die besseren Tage von Nick Mason und Roger Waters.

Man könnte es überspitzt so formulieren, daß "God Has Failed" das beste Pink Floyd Album ist, das Pink Floyd nie aufgenommen haben - zumindest seit 1980.

Aber Anlehnung an einen gewissen Stil reicht natürlich nicht - was die Stärke von RPWL ausmacht sind vor allem die großartigen Melodien und stimmungsvollen Lieder. Passend dazu gibt es auch eine eher melancholische Grundstimmung, die manchmal in Pessimismus mündet - sei es bei Liedern, die Selbstmord kontemplieren oder dem Titelstück "God Has Failed", das den zu frühen Tod eines geliebten Menschen beklagt.

Musikalisch sind epische Momente wie "Hole In The Sky" ebenso vorhanden wie Balladen ("Wait Five Years") wie aber auch beinahe schon poppige Passagen ("It's alright").

Egal welche Stimmung RPWL anschlagen, sie schaffen genau das, was sie wollen. Sie spielen geschickt mit einigen typischen Pink Floyd Ingredenzien.

Wer Pink Floyd mag, sollte sich sofort RPWL zulegen, es gibt keinen Grund zu zögern. Wer Bedenken gegen Clonebands hat, sollte seine Zweifel beiseite legen und sich von RPWL überzeugen lassen, wie man es richtig macht. "God Has Failed" hat keinen einzigen schwachen Moment, das Debut überzeugt auf ganzer Linie. Bleibt zu hoffen, daß RPWL dort weitermachen, wo sie mit "God Has Failed" begonnen haben.

Einzig ein paar englische Rechtschreibfehler in den Lyrics könnte man nächstes Mal vielleicht korrigieren...

13 Punkte