Trying To Kiss The Sun
(2002 - Ebner, Lang, Rissetto, Wallner, Wernthaler)
Zwei Jahre
nach dem hervorragenden Debut melden sich RPWL zurück. Man
hat sich personell verändert: Bassist Chris Postl verließ
die Band und an seiner Stelle zupft nun Stephan Ebner den Baß,
hinzugekommen ist mit Andreas Wernthaler ein Keyboarder. Bisher
hatte Sänger Jürgen "Yogi" Lang eine Doppelrolle auszufüllen,
jetzt kann er sich hauptsächlich auf den Gesang konzentrieren.
Die Keyboardarbeit von Andreas Wernthaler auf dem Album ist sehr
hörenswert, es wimmern die Mellotronstreicher und -chöre,
daß es ein Genuß ist und gelegentlich eifert er auch
Rick Wright nach, wobei Wernthaler aber hauptsächlich eine
eigene Linie entwickelt.
Musikalisch beschreiten RPWL mit ihrem zweiten Album den richtigen
Weg. Nach dem Pink-Floyd-lastigen Debut arbeitet die Band auf
"Trying To Kiss The Sun" ihre Eigenständigkeit heraus. Natürlich
sind die Pink Floyd
Einflüsse noch vorhanden, sei es in mancher Komposition oder
in der exzellenten Gitarrenarbeit von Karlheinz Wallner, aber
das Album als Ganzes klingt sehr viel mehr nach RPWL als nach
Pink Floyd.
War das Debut noch meist recht sanft und floß gemächlich
dahin, so bietet das neue Album sehr viel mehr Härte und
manchmal auch Ecken und Kanten.
RPWL arbeiten dabei sehr songorientiert und nähern sich manchmal
ein wenig Porcupine
Tree, die ebenfalls ehedem als Pink Floyd Epigonen gestartet
sind.
Solch knackige Lieder wie das Titelstück oder "Sugar For
The Ape" sind Beispiele für den weiterentwickelten Sound
der Band. Diese Lieder sind sehr mitsingfähig und auf beste
Weise eingängig. Wobei "Sugar For The Ape" einen gekonnten
Kontrast aufbaut zwischen den verzerrten und treibenden Textpassagen
und dem wunderschön pastoralen Refrain.
Neben diesen Songs gibt es natürlich auch etwas längere
Epen, die in ihrer Getragenheit am Debutalbum "God Has Failed"
anknüpfen, so daß auch immer wieder eine schöne
melancholische Stimmung aufkommt.
RPWL ist mit "Trying To Kiss The Sun" ein ausgezeichnetes songorientiertes
Progrockalbum gelungen. Wer Porcupine Tree, etwas Brit Pop und
Pink Floyd natürlich mag, wird seine helle Freude an den
zehn Liedern auf der CD haben.
RPWL ist es nach dem Debutalbum gelungen, das enorm wichtige zweite
Album nicht als Abklatsch der selben Formel enden zu lassen. Die
Band konzentriert sich auf ihre Stärken - großartige
Melodien gepaart mit Spielkunst und einem Gefühl für
das richtige Arrangement - und fügt die Pink Floyd Anleihen
als selbstverständliche Basis ein, ohne diese nun als einzige
Inspirationsquelle zu verwenden. RPWL bauen darauf auf und schaffen
etwas ganz eigenes. "Trying To Kiss The Sun" ist sicherlich jetzt
bereits eines der Highlights 2002 und sollte eigentlich für
jeden ein Pflichtkauf sein. Und wenn MTV, Viva und Co. nicht Sprachrohre
der Plattenindustrie wären, hätten RPWL auch eine echte
Chance in den etwas kommerzielleren Gefilden der Musikbranche.
14 Punkte
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