Stock
(2003 - Ebner, Lang, Rissetto, Wallner, Wernthaler)
Bei "Stock"
handelt es sich nicht wirklich um ein neues reguläres Studioalbum
von RWPL. Vielmehr gibt es auf dem Album übrig gebliebene
Kompositionen der beiden Vorgängerwerke "God has failed"
und "Trying to kiss the sun". Sie wurden für "Stock" neu
aufgenommen und arrangiert.
Die Band selbst versteht das Album als eine Art Bestandaufnahme,
aber auch Ausblick in die Zukunft.
Was sich nun auf den ersten Blick als Resteverwertung anhört
und den einen oder anderen skeptisch werden läßt, entpuppt
sich jedoch bereits beim ersten Durchlauf als gutes und abwechslungsreich
klingendes Album, das vor allem während der ersten Lieder
erstaunlich homogen wirkt. Zugegeben: als Gesamtwerk kann "Stock"
nicht ganz mit den regulären Alben mithalten, weil trotz
aller Bemühungen der Band das Material als solches vor allem
zum Ende hin etwas unbalanciert klingt. Für sich betrachtet
ist es sehr schön auch dort, interessant wäre es aber
gewesen, das dann auch mal im Kontext zum eigentlichen Album zu
hören. Auf "Stock" wirkt es etwas fragmentarisch.
Doch abgesehen davon bietet die CD eine Fülle an interessantem
Material, das jeden RPWL-Fan erfreuen wird. Bei manchen Sachen
fragt man sich auch ernsthaft, warum das Lied nicht auf dem Album
landen konnte. Vor allem die erste Hälfte der CD bietet sehr
hörenswerte Lieder, über die andere Bands wahrscheinlich
mehr als nur glücklich wären.
Den Anfang macht das Syd Barrett Cover "Opel", das sich wunderbar
ins Konzept von RPWL einfügt und nicht als Fremdkomposition
auffällt. Das folgende "The way it is" ist herrlich entspannt,
mit großartigem Keyboardsolo auch in der Mitte. Der große
Höhepunkt aber ist sicherlich das mehr als 10-minütige
"Gentle art of swimming".
Es bietet in gewisser Weise die Essenz des RPWL-Klanges. Es gibt
die nie verkrampft wirkende Anleihen bei Pink Floyd, psychedelische
Einflüsse und verstärkt jetzt auch instrumentale Ausflüge,
was die Band etwas mehr in die Nähe von Porcupine Tree auch
rückt. Wobei RPWL die sehr viel entspanntere Variante sind,
während die Briten es manchmal auch sehr heftig krachen lassen.
RPWL zeigen bei "Gentle art of swimming" auf jeden Fall, daß
sie neben den gepflegt schönen Melodien auch die Improvisation
beherrschen. So fügt sich in "Gentle art of swimming" neben
Keyboardpassagen auch ein Schlagzeugsolo ein - ein gelungenes
Solo auf der E-Gitarre fehlt natürlich auch nicht. Wenn die
Band selbst nicht sagen würde, daß die Songs auf "Stock"
manchmal nur aus inhaltlichen Gründen, oder weil die Stimmung
des Liedes nicht ins Albumkonzept paßte, durch den Rost
gefallen sind, müßte man sich stark wundern, warum
so ein Werk nicht schon zuvor veröffentlicht wurde.
So aber finden die Lieder auf "Stock" ihren würdigen Platz.
Den Anschein der bloßen Resteverwertung geben sich RPWL
in keiner Weise hin. Wer die Gruppe schon kennt, kann und sollte
auch hier sofort zugreifen. RPWL sind für mich eine der Bands
in Deutschland, die mehr als nur Beachtung verdient. Während
große Teile Deutschlands auf RTL den Superstar suchen, gibt
es Bands wie RPWL, die die Möchtegernstars musikalisch sehr
alt aussehen lassen. Man findet sie zwar nicht auf RTL, aber dafür
im CD-Shop. Und im März 2003 dann wieder auch auf Tour.
"Stock" verkürzt bis zum nächsten regulären Studioalbum
die Wartezeit. Wer neu bei RPWL einsteigen will oder einfach nur
Interesse an der Band bekommen hat (alle Fans von Pink
Floyd, Porcupine
Tree oder einfach nur entspannt melodischer Musik mit der
nötigen Härte hier und da sollten RPWL in Betracht ziehen),
dem empfehle ich aber zuerst "Trying to kiss the sun" zu kaufen.
Zwar ist "Stock" im Gegensatz zu manch anderer Restecompilation
bei weitem nicht nur etwas für Fans, aber das letzte reguläre
Studioalbum zeigt mehr Bandbreite noch. Wer danach Gefallen findet,
sollte sich dann die anderen Alben zulegen.
12 Punkte
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