World Through My Eyes
(2005 - Ebner, Lang, Müller, Wallner)
Eigentlich müßten sich RPWL mittlerweile MEWL nennen. Natürlich klingt das nicht so gut, außerdem wäre es problematisch, bei jedem Abgang eines Bandmitgliedes den Namen ändern zu müssen. Da haben es ELP in den 80ern geschickter angestellt, als sie anstelle von Carl Parlmer eben Cozy Powell als Schlagzeuger hatten. Aber Scherz beiseite: Das "R", nämlich Phil Rissetto, hat die Band verlassen, für ihn wurde der Schlagzeuger Manfred Müller verpflichtet. Am Konzept und Sound von RPWL hat sich aber nichts geändert.
Die Deutschen sind Experten auf dem Gebiet des gediegenen und melancholischen Rocksongs, der stark vom Sound der Pink Floyd à la David Gilmour beeinflußt ist. "World Through My Eyes" macht da keine Ausnahme. Die Zeiten als reine Pink Floyd Coverband sind natürlich schon Jahre her, aber die Vorliebe für Floyd bekommt man immer wieder mal zu hören, sei es in der Instrumentierung oder der Struktur der Lieder.
Die Stücke auf "World Through My Eyes" zeigen sich trotzdem vielseitig. Erstaunlicherweise beginnt das neue Album beinahe wie das letzte, "Trying To Kiss The Sun", nämlich mit orientalischen Rhythmen. Und "World Through My Eyes" setzt auch kontinuierlich die Linie des Vorgängers fort. Neben langen, ausgedehnten und verträumt wirkenden Kompositionen, gibt es poppige Einsprengsel und Lieder mit härterer Gangart. RPWL beweisen dabei stets guten Geschmack, sie werten ihre Lieder immer wieder auch mit wunderschönen Instrumentaleinlagen auf, seien es Keyboardpassagen oder ausgedehnte Gitarrensolos. Wobei diese Passagen niemals zum Selbstzweck geraten, sondern den Liedern immer eine zusätzliche emotionale Komponente verleihen und sehr zum Charme der Musik beitragen.
Als besonderes Gimmick gibt es auf "World Through My Eyes" zum ersten Mal einen Gastsänger. Kein geringerer als Ray Wilson, seines Zeichens Ex-Genesis und Ex-Stiltskin Sänger, und mittlerweile respektabler Solokünstler, veredelt mit seiner Stimme den Song "Roses", der sehr eingängig und von allen Liedern auch am poppigsten daherkommt, ohne aber flach zu wirken. Ich möchte Yogi Lang als Sänger nun nicht schlechtreden, sein einschmeichelnd sanfter Gesang paßt an sich sehr gut zum Konzept von RPWL, aber Ray Wilson wirkt wie eine frische Brise und könnte sehr gerne auch viel mehr singen für RPWL. Wie auch immer: wäre die Musikwelt etwas anders, könnte man sich RPWL mit Ray Wilson als Gastsänger auch in den oberen Chartregionen vorstellen. Verdient hätten es RPWL allemal.
Mit "World Through My Eyes" ist RPWL ein kleines Meisterwerk der intelligenten Rockmusik gelungen, die den Zuhörer auf einen musikalischen Trip schickt, dem man sich kaum entziehen kann. Die Lieder fesseln und begeistern. Melancholiker und Pink Floyd Nostalgiker sind ebenso bei RPWL bestens aufgehoben, wie all jene, die einfach nur gerne melodische Rockmusik hören, die Einflüsse aus dem Progressive Rock souverän in die Musik einwebt und dabei immer sehr zugänglich bleibt.
"World Through My Eyes" wird am 24.01. auch als Special Edition im Hybrid-SACD Format 5.1 Mix mit zusätzlichem Bonuslied erscheinen. Leider liegt mir diese Ausgabe nicht vor, weshalb ich keine Angaben zum 5.1 Mix machen kann, aber das Potential für einen interessanten Raumklang haben die Stücke auf "World Through My Eyes" definitiv.
13 Punkte
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